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Rheinische Post
06.12.2005 Die Heimat Leverkusens kabarettistisch beleuchtet
von Simone Kies
Kölner Stadt-Anzeiger
08.11.2005 Sitzplatzgarantie gibt es nicht
von Stefan Andres
Kölner Stadt-Anzeiger
22.11.2002 Das Schlagzeug zog er Frau und Kindern vor
von Jörg Oberwittler
Rheinische Post
04.11.2002 Das Publikum erlebte Glücksgefühle
von Ina Hommers
Leverkusener Stadtanzeiger
11.03.2002 Bei "Witwe Kaiser" blieb beim Kleinkunst-Abend kein Auge trocken
Rheinische Post schrieb am 06.12.2005

Die Heimat Leverkusen kabarettistisch beleuchtet
von Simone Kies
Seine Leidenschaft ist seine Heimat und die stand in der Gaststätte Witwe Kaiser im Mittelpunkt. Das Pult plus Mikrofon stand schon bereit, und dann ging es unter dem Motto Leverkusen und anderswo los. 22 Augenpaare richteten sich auf Andreas Bender, der seine Erfahrungen mit diversen Leverkusener Stadtteilen in seinem Kabarettprogramm dokumentierte. Vor allem die Wiesdorfer City und ihre Transformationen hatten es dem 48-Jährigen angetan. Wie sieht das noch mal mit einem neuen Rathaus aus und wird das ein genauso ausgefallener Bunker wie das alte? Wo gehen die Leverkusener demnächst Baden? Und was tut eigentlich Tante Bayer Gutes für die Stadt? Das waren einige Fragen, die der Hobby-Kabarettist zu beantworten versuchte. Auch Vergleiche mit Metropolen scheute Andreas Bender nicht: Während New York Manhatten sein Eigen nennt, hat Leverkusen zum Beispiel Steinbüchel-West. Eine Prachtstraße wie in Paris, auch (Rialto-)Boulevard genannt, gibt es auch in Leverkusen. Paris und Leverkusen in einem Atenzug, erzählte Andreas Bender verzückt. Da bleibt einem schon mal die Luft weg. Auch das Stadtjubiläum, die Landesgartenschau und die Fußballer der Werkself rückten zur Freude des Publikums in den Blickwinkel des Leverkusener. Mit Gitarre und selbst geschriebenen Texten amüsierte er seine Zuhörer und sorgte für viele Lacher. Opladen blieb dagegen verschont. Ich bin zwar Wiesdorfer, aber mich hat es immer nach Opladen gezogen und jetzt wohne ich auch hier, erklärte Andreas Bender. Opladen ist einfach gewachsen und es gibt noch eine lebendige Kneipenszene. Seine kabarettistischen Fähigkeiten präsentierteAndreas Bender aber nicht zum ersten Mal.Ich bin schon früher aufgetreten, erzählte er. Nach einem zufälligen Auftritt in diesem Jahr hatte Bender wieder Lust bekommen, die Bühne zu erobern. Nicht nur das Publikum, sondern auch die Gastgeber Kirsten und Bernd Holz waren begeistert. Kabarett wird noch ein wenig stiefmütterlich behandelt und soll in unserem Programm weiter ausgebaut werde, erklärte Bernd Holz. Das war ein guter Einstieg. Auch seine Frau und größte Kritikerin konnte Andreas Bender überzeugen. Seine Kinder hatten an diesem Abend schon etwas vor. Das ist auch nicht schlecht, meinte der Hobby-Kabarettist schmunzelnd. Nach der Feuerprobe können sie aber auf jeden Fall im Publikum sitzen. Das Heimspiel bestand er mit Bravour, denn erst nach einer gewünschten Zugabe wurde er entlassen. Es sind auch alle bis zum Ende geblieben, fügte er lachend hinzu. Eine Wiederholung soll es auf jeden Fall geben, vielleicht noch in diesem Jahr.

Kölner Stadt-Anzeiger schrieb am 08.11.2005

Sitzplatzgarantie gibt es nicht Die Musikkneipe Witwe Kaiser in Opladen:
vorne rocken und hinten kicken.
von Stefan Andres
Bei den ganz großen Auftritten kann längst keine Sitzplatzgarantie mehr gegeben werden. So wie am vergangenen Samstag, als sich Kozmic Blue mit ihren Instrumenten in die Ecke drängen ließen vom Ansturm der Besucher. Im Rahmen der 26. Leverkusener Jazztage spielen auch in der Schankwirtschaft an der Birkenbergstraße verschiedene Bands auf, und die Zuhörer kommen in Scharen.
Bernd Holz hat die Witwe mit seiner Frau Kirsten 2001 eröffnet, den Laden schmeißt sie. Seither hat das Lokal, das stilvoll altmodisch eingerichtet ist, als Treffpunkt besonders für Musikfreunde seinen Platz in der Opladener Szene gefunden. Um Musiker brauchen wir uns schon gar nicht mehr zu kümmern, die fragen selbst an, freut sich Bernd Holz, der hauptberuflich eine Werbeagentur leitet: Das Lokal ist für uns mehr Hobby - und da steckt wirklich viel Herzblut drin!
Julia Axmacher, 23, arbeitet seit zweieinhalb Jahren in der Witwe Kaiser, sie findet es dort super: Wir haben hier eine gute Mischung im Publikum, etwa so alt wie ich, aber auch ältere Gäste. Einer dieser älteren Stammgäste ist Siegfried Siggi Ludwig: Der in Opladen vielen bekannte, ehemalige Berufsmusiker setzt sich bei den Sessionabenden, die jeden letzten Samstag im Monat stattfinden, regelmäßig wieder an sein Schlagzeug und begleitet Musiker rhythmisch: Das macht immer großen Spaß hier!
Mit Niveau
Hinten lädt in der Witwe Kaiser bei ansprechendem Wetter ein Biergarten ein, und seit kurzem gibt es auch ein Hinterzimmer: Dort kann ebenfalls gefeiert und alles andere getan werden, was man in Hinterzimmern so treibt. Zum Beispiel gibt es dort einen Tischkicker. Die Eheleute Holz legen Wert auf ein gehobeneres Niveau, die Leute sollen nicht nur des Alkohols wegen kommen.
Beatrix Weber aus Neuwied schaute am Samstag erstmals in der Witwe Kaiser vorbei. Sie besucht Leverkusen öfters am Wochenende: Ein Bekannter hat mir heute gesagt, ich sollte doch mal hier hingehen. Nach den ersten fünf Minuten gefiel es ihr schon ganz gut, aber ob ich hier ein paar Stunden stehen will, das weiß ich noch nicht, schaute sie noch nicht ganz überzeugt. Die rauchige Stimme von Sängerin Maggie Mcinthun vibrierte in der rauchgeschwängerten Luft, die Zuhörer waren begeistert, spendeten viel Applaus. Und nach einer knappen Stunde Aufenthalt stand auch für Beatrix Weber fest: Ich bleibe hier!

Kölner Stadt-Anzeiger
schrieb am 22.11.2002

Das Schlagzeug zog er Frau und Kindern vor
"Siggi", Musiker und Lebenskünstler
von Jörg Oberwittler
Wenn Siegfried Ludwig an seiner "Schießbude" sitzt, ist er in seinem Element. Auch mit 73 Jahren versteht der Schlagzeuger, die Zuhörer zu begeistern.
Das Ambiente passt. Schummriges Kneipenlicht, Eiche rustikal so weit das Auge reicht und an den Wänden ein Sammelsurium historischer Fotografien. Wo sonst könnte man ein Leverkusener Urgestein wie Siegfried Ludwig vermuten? In der Opladener Musikszene ist der gebürtige Chemnitzer, den alle "Siggi" nennen, bekannt wie ein bunter Hund. Seine Geschichten aus alten Zeiten, als die Kabaretts noch das Nachtleben beherrschten, füllen ganz Abende. Auch Bernd Holz, Inhaber der Opladener Kneipe "Witwe Kaiser", fesseln sie regelmäßig an den Barhocker, wenn Ludwig sich nach durchstandener Session an der Bar niederlässt. "Er ist ein Stück Kulturgeschichte", sagt Holz, der immer jeden letzten Samstag im Monat zum Talentwettbewerb in die kleine Kneipe an der Birkenbergstraße einlädt. Auch Siggi schaut dann rein. Er sitzt dann wo sonst an seinem Schlagzeug, das er Schießbude nennt. Es zeugt von einem bewegten Leben: abgenutzte Felle, verkratzte Trommeln, zahlreiche Autogramme. Auch Schlagerstar "Heino" verewigte sich auf dem inzwischen fünfzig Jahre alten Instrument, erzählt Siggi, während das Kölsch die Zunge lockert und sich die Zigarette im Ascher dem Ende neigt. Die Musik sei nicht nur sein Lebensinhalt, sondern sein Lebenselexier. Auf vieles habe er verzichten müssen: Frau, Kinder und Reichtum. "Das habe ich auch nie vermisst. Dafür hat mich die Musik entschädigt", sagt er, lacht und nimmt einen kräftigen Schluck. Das öle die Kehle später fürs Pfeifen. Als Berufsmusiker sei er früher von neun Uhr abends bis fünf Uhr morgens unterwegs gewesen, habe ganz Deutschland gesehen. Ein rastloses Leben sei's, "aber ein schönes, denn es gibt mir immer wieder anregende Impulse und hält mich jung." In der Tat sind ihm die 73 Jahre nicht anzusehen. Das Haar kaum ergraut, ein verschmitzes Lächeln auf den Lippen. "Mit den Auftauchen der Discotheken in den 70er bin ich dann arbeitslos geworden 20 Jahre vor Rentenanfang." Da war er 42, woraufhin ihn das Arbeitsamt bereits damals wenig Chancen einräumte. Als Wochenendmusiker habe er sich weiter über Wasser gehalten. Vereinsfeiern, Betriebsfeste, Hochzeiten: "Außer Beerdigungen und Kindertaufen habe ich alles gemacht." Mit dabei sein Kumpel an der Orgel, acht Jahre seien sie ein Team gewesen. Durchzechte Nächte, unzählige geleerte Gläser die Leber habe es gut durchgestanden. "Da hab' ich Glück gehabt. Viele Kollegen sind am Alkoholismus gescheitert. Das waren sogar meist die besten." Das Keyboard habe ihm dann den "letzten Hammer" verpasst. "Da ist das Schlagzeug schon mit eingebaut, also war ich weg vom Fenster." Die Musik blieb sein Hobby. Der Mann der heute Rentner ist, hat seine Berufung gefunden. Auch Gedichte und Kabarett mache er ab und an. Doch am liebsten sitze er an seiner Schießbude. Wie lange noch? Darauf gibt's für Siggi nur eine Antwort: "Bis zum Umfallen."

Rheinische Post schrieb am 04.11.2002

Das Publikum erlebte Glücksgefühle!
von Ina Hommers
OPLADEN. Seit Samstag Abend ist es klar: Der Hootchie-Cootchie Man kommt nicht aus Chigago, sondern aus Andernach. So jedenfalls beschrieb Johannes André, Gitarrist der Gruppe Mixed Pickles, seinen Bandkollegen Werner Heckelmann bei einem Auftritt in der Opladener Wirtschaft Witwe Kaiser. Die Witwe Kaiser nahm im zweiten Jahr an den Jazztagen teil und setzte auf Altbewährtes. Der Mundharmoniker-Spieler Erik Zeiler, der bereits im letzten Jahr in Opladen auftrat, brachte dieses Mal den Hootchie-Cootchie Heckelmann und den Klassik(er)-Gitaristen André mit. Über zwei Stunden lang ging das Trio seiner Leidenschaft nach: Musik im Grenzbereich zwischen Jazz und Blues.
Bekannte Stücke Das Repertoire ist eher ungewöhnlich für eine Jazzband. Ungewöhnlich deshalb, weil die Stücke so bekannt sind, dass man sie heute eher als gewöhnlich betrachtet. Duke Ellington, John Lee Hooker, Ray Charles. Heckelmann räumt mit diesem Fehlschluss schnell auf: "Ich habe lange gewartet, bis es im Jazz endlich nicht mehr nur neue Trends gab, sondern man sich zurücklehnen konnte, um die großartigen Dinge, die bereits geschaffen wurden, zu genießen." Aber Heckelmann lehnt sich nicht zurück. Er genießt den Jazz, indem er ihn singt. Seine Stimme lädt dazu ein, ein paar Stunden wegzufliegen, irgendwohin, wo es warm ist, wo Kerzen brennen...- alles an Heckelmann ist Wärme, wenn er singt. er hat Ella Fitzgerald mit 16 live gesehen und die Höhen und Tiefen, die er im Jazz und Blues besingt, alle schon selbst erlebt.
Beethoven und Deep Purple Eigene Kompositionen gab es in der Witwe Kaiser auch. Die Musik dazu lieferte Johannes André. Er ist ein Perfektionist auf seinem Instrument und man merkt, dass er von der klassischen Gitarre herkommt. er bestach durch ein unglaublich sauberes Fingerspiel und ein Rhythmusgefühl, das vergessen ließ, dass es keinen Schlagzeuger gab. Einer bestimmten Musikrichtung will sich André aber nicht verschreiben: Beethoven berührt ihn genauso wie Deep Purple. ein echter Champion komplettiert die Mixed Pickles: Erik Zeiler wurde beim World Harmonica Festival 1997 zweimal mit dem Prädikat "excellent" ausgezeichnet. Eigentlich wollte Zeiler Gitarrist werden, war fasziniert von Bands wie Iron Maiden. Doch als er feststellte, dass man auf einer klassischen Gitarre nicht einfach losrocken kann, verlor er die Lust und landete per Zufall bei den Mundharmonikas. Heute besitzt er 500 von ihnen, 20 bis 30 braucht er für einen Auftritt. Inspirationen für sein Spiel zieht er trotzdem oft aus dem Gitarrenrock, womit er den altertümlichen Ruf der Mundharmonika Lügen straft. Die Qualität des Trios brachte ein Zuhörer auf den Punkt. Er riss nach dem Auftritt das Mikrofon an sich, um seinen Empfindungen Luft zu machen:
"Was uns heute abend hier widerfahren ist, ist Glück."

Leverkusener Stadtanzeiger schrieb am 11.03.2002
Bei Witwe Kaiser blieb beim Kleinkunst-Abend kein Auge trocken.
...Rote Rosen, lose Sitten, roter Wein, so hieß das feuchtfröhliche Programm am Samstag bei WITWE KAISER, ließ weder Kehlen noch Augen trocken. Um es gleich vorweg zu nehmen der Kleinkunst-Abend in Opladens Kulturkneipe erwies sich als Volltreffer. Mit ihren spritzig-witzigen Streifzügen kreuz und quer durch alle musikalischen und literarischen Landschaften spielte sich das Düsseldorfer Trio schnell in die Herzen des zunehmend berauschten Publikums. Es dauerte nicht lange, und die Gäste summten die bekannten Couplets mit, wie Rote Rosen, rote Lippen, roter Wein, oder Ach Egon, Egon, Egon, ich bin ja nur aus Liebe zu Dir, ja nur aus lauter Liebe zu Dir so tief gesunken... Jedes Mal, wenn Peter Berkessel einen neuen Hut hervorzauberte, um sich in einen russischen Stroganoff oder einen jamaicanischen Reggae-Freund zu verwandeln, war das Schmunzeln und Lachen auf seiner Seite. Und wenn Helga Mangold dann noch ihre herrlich verrucht-rauchige Stimme einsetzte, sich die rote Federboa um den Hals warf und leichtzüngig die Hausfrau mimte, die statt in den Kochtopf lieber ins Weinglas schaut, nahm das Vergnügen kein Ende...

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